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Antizecken-Mittel & Co

Der beste Schutz vor einer Erkrankung - egal ob durch andere Tiere übertragen oder aus der Luft "herbeigezaubert" - ist ein gesundes Immunsystem. Der Organismus hat viele Strategien, um ein Lebewesen am Leben zu erhalten. Giftstoffe absichtlich aufzunehmen, gehört nicht dazu.

Vorab
  • Nicht natürliche Anti-Zeckenmittel & Co gelten als Tierarzneimittel.
  • Die Wirkstoffe von Anti-Zeckenmitteln & Co sind verschiedene Nervengifte.
  • Fast alle dieser Mittel verhindern die Übertragung von Krankheitserregern NICHT. Sie töten Zecken und Co. erst nach der Blutmahlzeit - ein Zeitpunkt, zu dem bereits Krankheitserreger übertragen worden sein können. (siehe Packungsbeilagen)
  • Repellent (abstoßend) wirkende Antizecken-Mittel bieten laut Hersteller keinen 100%-igen Schutz vor der Übertragung von Krankheitserregern, bestehen aber aus Nervengiften, die nicht nur auf wirbellose Tiere wirken können.

Sie wollen Ihr Tier vor Krankheiten schützen und möglichst Arzneimittel finden, die nicht selbst Krankheiten verursachen können?
Überlegen Sie, was sie von einem Antizecken-Mittel erwarten, wie z.B. Schutz vor Erkrankungen, ohne Ursache anderer Erkrankungen zu sein. Lesen Sie dann die Packungsbeilage - einfach den Namen des Mittels und "Packungsbeilage" bei Google eingeben. Schauen Sie nicht nur unter Neben- und Wechselwirkungen. Negatives findet sich auch unter anderen Punkten - meistens sehr weit unten, wo man es nicht vermutet. Ein Hinweis, dass es keinen 100%-igen Schutz gibt, kann z.B. unter "WEITERE ANGABEN" stehen.
Lassen Sie sich von TierärztInnen keine losen Tabletten OHNE Beipackzettel geben und bitte lesen Sie ihn! Sie müssen wissen, welches Symptom eine Nebenwirkung sein könnte, denn nicht alle TierärztInnen scheinen darüber informiert zu sein.

Wirkstoffe
Es gibt eine Menge Präparate auf dem Markt mit unterschiedlichen Wirkstoffen. Deshalb hier nur eine kleine Auswahl. Bei den Wirkstoffen handelt es sich um sogenannte Nervengifte.

Afoxolaner (NexGard®) - Fluralaner (Bravecto®) - Sarolaner (Simparica®) - Tabletten
Permethrin + Imidacloprid (Advantix®) - Spot-On
 
Was geschieht nach der Gabe von NexGard®, Bravecto®, Simparica®?
Das im Mittel enthaltene Nervengift gelangt in das Blut des Wirtstieres und verteilt sich somit im ganzen Organismus. Wird das Tier von z.B. einer Zecke befallen, die zusticht, saugt sie das vergiftete Blut. Diese Nervengifte wirken so, dass die Zecke letztendlich stirbt. Die Gabe wird nach 3 Monaten wiederholt, weil dann laut Hersteller die Wirkung nachlässt. Das kann man ganz leicht überprüfen: finden sich an/auf/neben einem Tier tote Zecken, dann hält die Wirkung noch an.
Manche TierhalterInnen entschieden sich irgendwann, diese Mittel nicht mehr zu nutzen. Viele von ihnen fanden auch noch nach mehr als den genannten 3 Monaten tote Zecken an ihrem Tier (Extremfall: 2 Jahre). Das heißt, dass die Wirkung länger besteht. Und noch bevor das Mittel im Organismus eines Tieres abgebaut wird, bekommen die Tiere von Befürwortern dieser Nervengifte eine erneute Gabe.

Nutzen: Tiere, die an dem Wirtstier saugen, können nicht dauerhaft in Häusern oder Wohnungen etc. herum kriechen, weil sie über kurz oder lang sterben.

Schutz vor Krankheiten: nein.
Wie auch den Beipackzetteln der Hersteller zu entnehmen ist, muss die Zecke erst zugestochen haben, bevor sie das Gift aufnehmen kann und getötet wird. Zu diesem Zeitpunkt kann sie bereits vorhandene Krankheitserreger übertragen haben (siehe Beipackzettel).
Was nicht im Beipackzettel steht: Wie die meisten Tierhalter wissen, soll man eine Zecke nicht quetschen: im Todeskampf überträgt sie alle Sekrete in das Wirtstier und damit auch eventuell vorhandene Krankheitserreger. Man kann davon ausgehen, dass der Todeskampf, ausgelöst durch das Nervengift, das gleiche verursacht.
Na, super :(

Nebenwirkungen: durch die Studie an einer begrenzten Anzahl an Teilnehmern sind einige häufig vorkommende Nebenwirkungen bekannt. Nach Markteinführung führen die Tierhalter/innen ungewollt/unbewusst die Studie fort (siehe Prophylaxe).
Weitere als die ursprünglich aufgeführten Nebenwirkungen wurden eine zeitlang abgestritten, sind aber teilweise zumindest bei BRAVECTO® ergänzt worden.

Die Hersteller sind verpflichtet, die Liste von Nebenwirkungen zu erweitern, wenn diese an die offizielle Stelle gemeldet und nach Prüfung bestätigt werden. Meldungen müssen von TierärztInnen gemacht werden. Da diese aber oft abstreiten, dass Nebenwirkungen durch ihre Behandlung ausgelöst werden, entspricht die Anzahl der Meldungen nicht unbedingt der Anzahl tatsächlicher Nebenwirkungen - bei Menschen schätzt man, dass nur 10 % UAW gemeldet werden. Aber als Privatperson kann man sowohl für Humanarzneien als auch für Tierarzneien direkt eine Meldung vornehmen.

Bezogen auf BRAVECTO®
Nebenwirkungen können in unterschiedlichen Ländern offensichtlich auch unterschiedlich auftreten (nicht europäische Beipackzettel sollen mehr Nebenwirkungen beinhalten als europäische). Ein Hinweis auf Epilepsie soll in nicht europäischen Beipackzetteln von Beginn an enthalten gewesen sein.

Die Meldungen unerwünschter Arzneimittelwirkungen hat bei BRAVECTO® dazu geführt, dass im Beipackzettel jetzt auch steht: "In sehr seltenen Fällen wurde in spontanen (Pharmakovigilanz) Berichten von Krämpfen und Lethargie berichtet."

Das bedeutet, dass ein Teil der Nebenwirkungen, die von verantwortungsvollen TierärztInnen oder HalterInnen weiter gegeben wurden, überprüft und insoweit anerkannt wurden, dass der Hersteller das im Beipackzettel angeben muss. Krämpfe entsprechen einer sekundären Epilepsie (primär -> angeboren, sekundär -> durch eine andere Krankheit ausgelöst, dazu zählen auch Vergiftungen).

Ob es sich wirklich nur um sehr seltene Fälle handelt?
Und wie lange dauert es, bis auch die Todesfälle in den Beipackzettel eingepflegt werden? Ich habe eine Liste mit Meldungen von UAW gesehen, die auch Todesfälle aufführt. Da ich das aus erster Hand haben will, habe ich bereits die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), die diese Zahlen heraus gibt, angeschrieben. Hier das Ergebnis.

Was geschieht nach der Gabe von Advantix®, Wirkstoffe: Permethrin + Imidacloprid?
Zur Wirkweise des Mittels schreibt der Hersteller, dass das Imidacloprid auf Flöhe und Flohlarven wirkt. Es steht nichts davon, dass dieses Nervengift auf Zecken wirkt.
Allgemein gibt es dann noch die Information, die sich meinen Recherchen nach auf das Permethrin bezieht, dass das Mittel reppelierend wirkt:
"Das  Tierarzneimittel  hat  einen  repellierenden  (= die Blutmahlzeit  verhindernden)  Effekt  auf  Zecken, Schmetterlingsmücken  und  Stechmücken,  wodurch  die  abgewehrten  Parasiten  keine  Blutmahlzeit aufnehmen  und  so  das  Risiko  einer  Übertragung  von  Krankheiten  (z.B.  Borreliose,  Rickettsiose, Ehrlichiose und Leishmaniose) verringert wird."
Zur Sicherheit wiederholt: "verringert wird" - nicht "ausgeschlossen".

Weiter: "Das Ansaugen einzelner Zecken oder das Stechen einzelner Schmetterlingsmücken oder Stechmücken ist jedoch möglich. Aus diesem Grund kann bei ungünstigen Bedingungen eine Übertragung von Infektionskrankheiten durch diese Parasiten nicht vollständig ausgeschlossen werden."
Zur Sicherheit wiederholt: kann... eine Übertragung von Infektionskrankheiten ...nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Und:
"Besondere Vorsichtsmaßnahmen für den Anwender:
Der Kontakt zwischen dem Tierarzneimittel und Haut-, Augen- oder Mund ist zu vermeiden...Nach der Anwendung die Hände gründlich waschen."

Na, super! Wir müssen vorsichtig damit umgehen,: kein Kontakt und wenn, dann gleich waschen. Aber bei einem Hund darf das nicht nur, es muss sogar Hautkontakt haben. Und es wirkt nicht mal zu 100% repellierend.


Rechtlicher Hinweis: Diese Seite stellt keinerlei Empfehlung dar, auf die Behandlung durch einen Tierarzt oder eine Tierärztin zu verzichten oder auf die von ihm/ihr verordneten Medikamente! Jeder Tierhalter/jede Tierhalterin hat die Verantwortung für die in seiner/ihrer Obhut befindlichen Tiere und hat bei allen Handlungen das Tierschutzgesetzt zu beachten.

Urheberrecht Silke Paschold
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